Fahne für Werkleitz

2000

Installation auf freiem Feld
4. Werkleitzbiennale "realwork"
Werkleitz Gesellschaft, Tornitz
Fahne mit applizierter Schrift 5 x 1,50 m
Fahnenmast 9 m Höhe


www.werkleitz.de

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Fahne für Werkleitz

Noch vor den Umleitungen und Umbenennungen der Straßen werden die Fahnen gesetzt. Die Bedeutsamkeit des Erschliessungsprozesses wird mit der Fahne elegant manifestiert. Davon zeugen die Werbeflaggen kommerzieller Anbieter ebenso wie ehemals die norwegische Flagge auf dem Südpol und die amerikanische Flagge auf dem Mond oder, wie in dem Film "Mission to Mars", in der Wüste eines anderen Planeten. Der Claim wird abgesteckt, der Erschliesser ist präsent.

Die "Fahne für Werkleitz" kehrt den Prozess um. Die Leichtigkeit ihrer plastischen Erscheinung widerspricht dem Gewicht, daß sie als Menetekel architektonischer Brutalität in Gestalt von Autohäusern, Tankstellen oder Kaufparks erlangt. Die Erschliessung der ehemaligen LPG-Felder in ihrer Eigenschaft als idealer Baugrund für Verbrauchermärkte hat zur Veränderung des Landschaftsbildes geführt. Des Bildes einer Landschaft, die den Ersatz der Produktionsstrukturen durch die Strukturen für Konsum auf den Leib geschrieben bekommen hat. Die "Fahne für Werkleitz" integriert sich vollständig in dieses Bild und wird Teil, wenn nicht der Landschaft, so ihrer kommerziellen Überformung.

Es bedarf emotionaler und intellektueller Aktivität, um die Fahne als individuelles poetisches Zeichen aus diesem Umfeld zu lösen. Der Schriftzug "Anbieter" ohne bauliches Fundament wirkt omnipräsent und stiftet mehr Unruhe als die geschäftig gehende Tür eines Baumarktes.

Text: Ipke Starke
Katalog "after work", Werkleitz Gesellschaft Tornitz, 2000