STADTSZENARIEN
... Hat die Künstlergeneration der siebziger Jahre, insbesondere Leute wie John Baldessari, Les Levine oder Antonio Muntadas die Bilder von einer kritischen und dekonstruktivistischen Perspektive her analysiert, so pflegen die Künstler der neunziger Jahre einen zugleich vertrauteren und distanzierteren Umgang mit den von den Medien vermittelten Bildern: Diese sind ganz selbstverständlich vorhanden, aber paradoxerweise liegt über der getreuen Abbildung der beobachteten Realitäten sehr häufig ein Hauch von Ironie. ...
... . In der für die Crédac in Ivry konzipierten Installation „cliquer ici“ (Juni 1998) entwickelt Ute Richter eine Bilderrätselstruktur, die auch schon in den vorhergehenden Arbeiten präsent war. Ein Bilderrätsel ist ein Satz oder eine Bildfolge, dessen/deren Sinn über Homophone, Bedeutungsverschiebungen und -ähnlichkeiten langsam vervollständigt werden muß. Für die in Ivry ausgeführte Arbeit hat die Künstlerin Gasbetonsteine, ein Fernsehgerät, das ein Fußballspiel ausstrahlt, eine Tonbandaufnahme von Gameboy-Klängen und Plakate, die eine verlassene Lagerhalle zeigen, im Raum verteilt. Die Gesamtheit der Elemente suggeriert eine Art Autismus, den die Realität manchmal annehmen kann: Der Beton suggeriert Eingeschlossensein, worauf auch die Photographie von der verlassenen Lagerhalle verweist. Die Videoendlosschleife vom Match und die eintönige Geräuschkulisse verweisen auf die Zirkularität verfahrener Situationen, auf die Künstlichkeit zusammenfügender Bilder, einer zusammenfügenden Wirklichkeit. Auch der Titel der Installation beschwört den eindringlichen Ton von Medienslogans: „hier klicken!“. Was die Begleitformel für die Installation angeht („Das ist ein Bezirk, in dem wir dich nicht brauchen“), so ist sie von den in Paul Verhoevens Film „Starship Troopers“ verbreiteten Botschaften inspiriert (We need you, this ist your place! If you want to know more, click here!). ...
Pascale Cassagnau
Textauszug aus dem Katalog Ute Richter, Le Crédac, 1998
