Pausenhof
Die Schülerschar stürmt freigelassen in die große Pause. Statt wie üblich die Schultaschen in chaotischen Clustern zu streuen, legt jedes Kind den Ranzen in Reih und Glied auf eine blaue Markierung. Was unter der offenen Vorhalle des Schulhofes entsteht, ist ein Muster, das die Disziplin aus dem Inneren des Schulhauses in die Pause trägt ...
Verlassen liegen die Reihen persönlicher Habe auf dem Betonfußboden, trist gerade in ihrer Buntheit. Das kurzzeitige Verschwinden der Kinder, die Abwesenheit ihrer ausgelassenen Geräusche bestätigt die Macht ordnender Maßnahmen. Bald darauf erscheinen die Schüler wieder und nehmen, nach kurzer Irritation, von ihrem Areal Besitz. Die Intervention in das ungeordnete Spiel wird umgewandelt, und die Gepäcklinien werden als Vorlagen für Hüpfspiele benutzt.
Textauszug von Susanne Altmann
Katalog Vitale Module, Kunsthaus Dresden, 1997
